Coop Vitality: Stärkung der Eigenmarke im Apothekenumfeld
Gemeinsam mit der Basler Agentur BrandPartner hat Coop Vitality ihre Eigenmarke deutlich weiterentwickelt. Sie schafft nun, nach einem strategisch fundierten Redesign, mühelos den Spagat vom Schmerzmittel bis zur Nagelschere: alles unter einer starken Brand Identity. Carla Wälchli, Head of Marketing & Kommunikation bei Coop Vitality, und Kerstin Gimenez, Creative Director und Inhaberin von BrandPartner, sprechen über ein komplexes Packaging-Projekt und die strategische Rolle von Design im Marktumfeld Apotheke.
Frau Wälchli, was gab den Ausschlag für das Redesign der Eigenmarke, und welche Rolle
spielte dabei die Sortimentsentwicklung?
Carla Wälchli: Auslöser war in erster Linie ein nicht mehr zeitgemässer
Markenauftritt. Zudem war das bestehende Design nicht auf die wachsende Vielfalt der
Eigenmarke ausgelegt. Gleichzeitig hat Coop Vitality das Sortiment gezielt um neue
Produktkategorien erweitert – von klassischen Pharma- und Medizinprodukten hin zu
Körperpflegeprodukten und weiteren Sortimenten. Das Ziel war deshalb, eine konsistente
und klare Markenidentität zu schaffen, die alle Kategorien unter einem einheitlichen
Design vereint. Damit sollte die Eigenmarke gestärkt und langfristig als starke Marke im
Apothekenumfeld positioniert werden.
Frau Gimenez, wie übersetzt man ein solches Briefing in ein Designsystem?
Kerstin Gimenez: Kurz gesagt: erst denken, dann designen. Um ein tragfähiges
Designkonzept zu entwickeln, muss man sich intensiv mit dem Briefing, den Kundenwünschen
und dem Marktumfeld auseinandersetzen. Erst wenn man die Vorgaben von Handel und POS,
den Konkurrenzdruck sowie die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten wirklich
verstanden hat, kann man sich auf strategischer Basis an die kreative Arbeit machen.
Ziel war es, die Markenwerte von Coop Vitality sichtbar und emotional erlebbar zu
machen. Unser Konzept übersetzt das zentrale Markenversprechen «Wohlbefinden und
Gesundheit» in ein modernes Designsystem, das die Marke stärkt und unterschiedliche
Produktkategorien stimmig unter einen Hut bringt.
Die Anforderungen an Arzneimittel unterscheiden sich deutlich von denen an
Körperpflegeprodukte. Wie schafft man da einen konsistenten Markenauftritt?
Kerstin Gimenez: Gute Frage! Arzneimittel kommunizieren primär über Klarheit,
Kompetenz und Vertrauen, während bei Körperpflegeprodukten mehr Wohlbefinden,
Emotionalität und Sinnlichkeit ins Spiel kommen. Wir haben ein Designsystem angestrebt,
das flexibel genug ist, die unterschiedlichen nonverbalen Codes der einzelnen Kategorien
aufzunehmen, und gleichzeitig so stabil, dass die Identität der Marke über das gesamte
Sortiment hinweg greifbar ist. Wir haben also eine verbindende Markenklammer geschaffen.
Frau Wälchli, wo lagen die grössten Herausforderungen dieses Projekts?
Carla Wälchli: Darin, ein Design zu entwickeln, das zeitlos wirkt, eine hohe
Wiedererkennbarkeit schafft und dennoch aktuell und modern bleibt. Eine weitere zentrale
Herausforderung war die grosse Bandbreite an Produkten, Darreichungsformen und
Verpackungstypen, die alle unter einer konsistenten gestalterischen Logik vereint werden
mussten. Ebenso anspruchsvoll war die Balance zwischen regulatorischen Anforderungen und
dem Anspruch an eine moderne, emotionale Markenwelt. Diese machen die Gestaltung von
Packaging im Apothekenumfeld komplex und begrenzen den gestalterischen Spielraum. Ein
weiterer Punkt war, dass das Design nicht nur optisch funktioniert, sondern auch die
Beratung im Verkauf unterstützt. Mitarbeitende in den Apotheken müssen Produkte schnell
einordnen und erklären können. Entsprechend wichtig war eine intuitive Systematik.
Frau Gimenez, was war aus Ihrer Sicht die grösste Herausforderung?
Kerstin Gimenez: Das mag jetzt etwas technisch klingen, aber die grösste
Challenge lag effektiv darin, die einzelnen Gestaltungselemente zu priorisieren.
Packungsdesign muss in Sekundenbruchteilen funktionieren. Es muss blitzschnell Vertrauen
schaffen, Orientierung bieten, Sachinformationen vermitteln und die Marke erlebbar
machen. Da muss viel Denk- und Designarbeit geleistet werden, bis die emotionale und die
sachliche Kommunikation perfekt zusammenspielen.
Frau Wälchli, was macht das neue Design aus Ihrer Sicht besonders stark?
Carla Wälchli: Als besonders gelungen empfinden wir die Verbindung von Modernität
und Kontinuität. Das neue Design greift Elemente der bisherigen Systematik auf, die für
den Verkauf relevant sind, und entwickelt diese konsequent weiter. Dadurch bleibt die
Orientierung für Mitarbeitende erhalten, während die Marke gleichzeitig zeitgemäss und
klarer positioniert wird. Zudem überzeugt die klare Designlinie, die sich über alle
Kategorien hinweg adaptieren lässt – von Kosmetik bis OTC. Das schafft
Wiedererkennbarkeit und Konsistenz über das gesamte Sortiment. Das Packaging ist damit
in eine zentrale Rolle hineingewachsen: Es ist nicht nur Informationsträger, sondern ein
wichtiges Instrument zur Positionierung und Differenzierung der Eigenmarke im
Apothekenumfeld.
Es war Ihre erste Zusammenarbeit. Was hat die Partnerschaft geprägt, und was braucht
es, damit ein Projekt dieser Komplexität erfolgreich umgesetzt werden kann?
Carla Wälchli: Die Partnerschaft war von Anfang an durch einen sehr engen
Austausch und ein gemeinsames Verständnis für die Ziele geprägt. BrandPartner hat sich
tief in die Welt von Coop Vitality und das Umfeld Apotheke eingearbeitet. Im Verlauf des
Projekts hat sich das gegenseitige Verständnis kontinuierlich vertieft – insbesondere in
Bezug auf die Balance zwischen Marke, regulatorischen Vorgaben und praktischen
Anforderungen im Verkauf.
Carla Wälchli, Head of Marketing & Kommunikation bei Coop Vitality
Kerstin Gimenez, Creative Director und Inhaberin von BrandPartner.